Immer wieder taucht im Internet ein geheimnisvoller Börsen-Chart aus dem 19. Jahrhundert auf: „Periods When to Make Money“. Anhänger behaupten, die Grafik habe Börsencrashs wie 1929, die Dotcom-Blase oder sogar den Corona-Crash erstaunlich präzise vorhergesagt. Besonders spannend: Für das Jahr 2026 sendet der Chart angeblich ein klares Verkaufssignal. Doch wie seriös ist das Ganze wirklich?
Was ist der „Periods When to Make Money“-Chart?
Der Börsen-Chart mit dem Titel „Periods When to Make Money“ geht auf den US-amerikanischen Farmer und Unternehmer Samuel Benner zurück. Nach dem Börsencrash von 1873 verlor er einen Großteil seines Vermögens und begann daraufhin, wiederkehrende Wirtschafts- und Marktzyklen zu untersuchen.

Seine Erkenntnisse veröffentlichte Benner später im Werk „Benner’s Prophecies of Future Ups and Downs in Prices“.
Die Grafik teilt Marktphasen in drei Kategorien ein:
- A – Panic Years: Jahre mit Krisen und Crashs
- B – Good Times: Boomphasen mit hohen Kursen, laut Chart die Zeit zum Verkaufen
- C – Hard Times: Schwache Marktphasen mit niedrigen Preisen, angeblich gute Kaufgelegenheiten
Benner glaubte, dass sich diese Phasen in langfristigen Zyklen wiederholen. Dabei nutzte er unter anderem Agrarpreise und sogar Sonnenzyklen als Grundlage seiner Theorie.
Warum ist der Börsen-Chart so populär?
Der Reiz liegt auf der Hand: Jeder Anleger träumt davon, den perfekten Zeitpunkt zum Kaufen oder Verkaufen zu kennen. Fans des Charts verweisen darauf, dass einige historische Ereignisse tatsächlich grob in die vorhergesagten Zyklen passen:
- Börsencrash 1929
- Dotcom-Blase um 2000
- Finanzkrise 2008
- Corona-Crash 2020 (mit leichter zeitlicher Abweichung)
Dadurch wirkt der Chart im Nachhinein oft erstaunlich treffsicher.
Wie seriös ist das Ganze?
Die meisten Finanzexperten betrachten den Benner-Zyklus eher als historische Kuriosität, denn als ernsthafte Prognosemethode. Der Hauptgrund: Die Theorie basiert nicht auf moderner Wirtschaftswissenschaft, sondern teilweise auf astrologischen beziehungsweise naturzyklischen Annahmen. Außerdem gibt es mehrere Probleme:
- Viele Treffer werden erst rückblickend passend interpretiert
- Einige Vorhersagen lagen deutlich daneben
- Moderne Märkte funktionieren völlig anders als im 19. Jahrhundert
- Zentralbanken, Algorithmen, ETFs und globale Kapitalströme gab es damals nicht
Selbst Analysten, die den Chart interessant finden, betonen deshalb: Er eignet sich höchstens als ergänzende Orientierung, niemals als alleinige Grundlage für Investmententscheidungen.
Was sagt der Chart für 2026 voraus?
Nach der heute verbreiteten Interpretation gilt 2026 als sogenanntes „Good Times“-Jahr. Das bedeutet:
- hohe Bewertungen
- starke Markt-Euphorie
- mögliche Endphase eines längeren Bullenmarktes
- erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine spätere Korrektur oder Krise
Viele Anhänger des Charts interpretieren das konkret als Signal dafür, dass 2026 ein Jahr sein könnte, in dem Anleger Gewinne mitnehmen sollten.
Besonders im Kryptobereich wird der Benner-Zyklus derzeit häufig diskutiert, weil manche Analysten darin Parallelen zu den Bitcoin-Halving-Zyklen sehen.
Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass 2026 ein Crashjahr wird. Selbst Befürworter sprechen eher von einer Phase erhöhter Risiken als von einem sicheren Zusammenbruch der Märkte.
Fazit
Der „Periods When to Make Money“-Chart ist ein faszinierendes Stück Börsengeschichte – mehr aber auch nicht. Die Tatsache, dass einige Vorhersagen erstaunlich gut zu historischen Ereignissen passen, macht ihn spannend. Wissenschaftlich belastbar ist die Methode jedoch nicht.
Für Anleger kann der Chart höchstens als Erinnerung daran dienen, dass Märkte in Zyklen verlaufen und Euphorie oft gefährlich wird. Wer jedoch echte Investmententscheidungen treffen möchte, sollte sich eher auf Fundamentaldaten, Diversifikation und Risikomanagement verlassen als auf eine 150 Jahre alte Börsenprophezeiung.
